FOSSIL :

Steppenbison (Bovide) Bison priscus

ANATOMIE :

rechter Unterkieferknochen; oben: Profil / unten: Aufsicht

LOKALITÄT :

Boncourt, Grands'Combes

GEOLOGIE :

-75 000 – -30 000 J.v.h., Unteres Pleniglazial und Interpleniglazial; Jungpleistozän

 
 

REKONSTRUKTION :

Steppenbison Bison priscus

 
 

AKTUELLE FORM  :

oben : Europäischer Bison, Wisent Bison bonasus

unten : Amerikanischer Bison Bison bison

 
                
Klassifikation und stratigraphische Verteilung

Der Bison ist ein paarhufiges Säugetier aus der Familie der Hornträger (Bovidae). Heute kommen noch zwei Vertreter dieser Gattung vor: Der an Waldgebiete angepasste Europäische Bison oder Wisent (Bison bonasus), und der an Steppengebiete angepasste Nordamerikanische Bison (Bison bison).
Im Pleistozän (-1.8 Mio J.) verdrängen die ersten Bisons die Gattung Leptobs, Urrinder des Pliozäns. Danach wird mit dem Aufkommen von Bison menneri und Bison schoetensacki eine Diversifizierung beobachtet. Diese Tiere hatten eher kurze Hörner mit einer Länge von etwa 40 cm. Bison schoetensacki war jedoch kleiner und hatte sich besser an die neuen, härteren Umweltbedingungen angepasst. Vor etwa 900 000 Jahren erscheint in Europa der Steppenbison (Bison priscus). Dank seiner Robustheit passt er sich wärend den Eiszeitperioden des Mittleren Pleistozän erfolgreich an die kalte und karge Lanschaft an. Vor 200 000 Jahren, während einer sehr kalten Periode, sinkt der Wasserspiegel und die Steppenbisons überqueren die heutige Beringstraße, damals eine Landbrücke von Sibirien nach Alaska (Bison priscus von Alaska = Bison alaskensis). Um -14 000 beginnt sich die Eisdecke zurückzubilden und um -10 000 beginnt ein neue Zwischeneiszeit, das Holozän. Die Mehrheit der «Megafauna» des Pleistozäns (Mammut, Wollnashorn, Bär und Höhlenlöwe) stirbt aus, aber Bisons, Antilopen, Pferde und andere Tiere flüchten in die Prärien Asiens.

Morphologie und Lebensweise

Der Steppenbison war etwas grösser als der heutige Bison, er konnte bis zu einer Tonne wiegen und war drei Meter lang. Charakteristisches Merkmal waren seine massive Stirn und der Schulterhöcker; die Spannweite der Hörner mass bei den männlichen Tieren bis zu 1.20 Meter. Aus in Alaska entdeckten, eingefrorenen Tierresten kann man schliessen, dass die Hörner schwarz waren und die Wolle braun mit dunkeln Partien.
Vermutlich lebte Bison priscus in Herden, die aus ein paar Dutzend Tieren bestanden und durch die Prärien und Steppen dieser Zeit zogen. Bison priscus ernährte sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern, frass aber auch Moose und Rinden. Die Tiere lebten in Artengemeinschaft mit Urpferden, Rentieren, Mammuts und Rhinozerosse, aber auch mit Fleischfressern wie Höhlenlöwen und -bären (Panthera spelaea und Ursus spelaeus) oder Fleckenhyänen (Crocuta crocuta).

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