FOSSIL :

Wollmammut (Elephantidae), Mammuthus primigenius

ANATOMIE :

Mahlzahn (linker 3. unterer Backenzahn)
oben: Profil; unten: Aufsicht

LOKALITÄT :

Courtedoux–Vâ Tche Tchâ

GEOLOGIE :

-35 000 Jahre, Mittlere Würmeiszeit, Oberes Pleistozän

 
 
 

REKONSTRUKTION :

Wollmammutherde des Pleistozäns (vor 130 000-10 000 Jahren)

 
 

AKTUELLE FORM  :

Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana)

 
Klassifikation und stratigraphische Verteilung

Das Mammut ist ein naher Verwandter der heute lebenden Elefanten und gehört zur Ordnung der Proboscidea, der sogenannten Rüsseltiere. Der gemeinsame Vorfahre aller Vertreter dieser Ordnung ist Phosphatherium escuilliei. Dieses kleine untersetzte kurzbeinige Tier erschien in Nordafrika im Eozän vor 55 Millionen Jahren. Allerdings unterschied es sich vom Elefanten, denn es war nur etwa so gross wie ein Hund,  wog etwa 15 kg  und hatte auch noch keinen richtigen Rüssel, jedoch schon kleine Stosszähne. Verschiedene Merkmale des Gebisses belegen aber seine Verwandschaft mit der Ordnung der Elefanten.

Kieferknochen mit zwei Mahlzähnen und zwei vorderen Backenzähnen eines Phosphatherium escuilliei aus dem Eozän vor 55 Millionen Jahren, das älteste bekannte Rüsseltier.

REKONSTRUKTION :

Phosphatherium escuilliei

 
Biodiversität der Proboisciden vom Phosphatherium (oben links)
bis zu den heutigen Elefanten (unten rechts).

Die Blütezeit der Proboscidea ist das Miozän (23 - 5 Mio Jahre), während dem sie sich stark ausbreiten. Vor mehr als 4 Millionen Jahren erscheinen die ersten Mammuts (Mammuthus subplanifrons) in Südafrika. Eine Million Jahre später ziehen sie sich aus Afrika zurück, und Mammuthus meridionalis, eines der grössten Mammuts, das je gellebt hat, erscheint in Europa. Von dieser Art stammen die amerikanischen Mammuts (Mammouthus columbi und Mammuthus exilis) und wahrscheinlich auch das Steppenmammut (Mammuthus trogontheri) ab, welches in Eurasien vor 600 000 -150 000 Jahren lebte.

Das «echte» an die Kälte angepasste Mammut heisst Mammuthus primigenius und wird in der Umgangssprache Wollmammut genannt. Es erscheint vor 500 000 Jahren im Osten Sibiriens und verbereitet sich vor -130 000 Jahren in ganz Eurasien und sogar Nordamerika. Vor 10 000 Jahren stirbt das Mammut nach der letzten und kurzen Eiszeit , dem Dryas, aus. Dennoch überlebten gewisse kleine Arten in Nordwestsibirien auf der Insel Wrangel bis 3700 Jahre vor unserer Zeit. Die Geschichte des Europäischen Menschen ist eng mit derjenigen der letzten Mammuts verknüpft. In Spanien lebten schon vor fast 400 000 Jahren die ersten Neandertaler (Homo neanderthalensis) . Dieselebten zwischen -40 000 und -28 000 Jahren sogar mit den ersten Cro Magnon (Homo sapiens) Menschen zusammen. Die Mammuts von der Insel Wrangel lebten noch in einer Zeit, als im Alten Ägypten die Pyramyden erbaut wurden.

Morphologie und Lebensweise

Charakteristisches Merkmal der Probisciden ist der Rüssel, der sich aus der Oberlippe und einem verlängerten Nasenmuskel entwickelt hat. Ihre oberen Schneidezähne, die sogenannten Stosszähne, sind sehr lang und bestehen aus Elfenbein. Probisciden haben weder Eck- noch vordere Backenzähne. Bei den höher entwickelten Arten bestehen die Mahlzähne aus vielen dicht hintereinander liegenden Kantenreihen und sind mit einer dicken Schmelzschicht überzogen. Sie haben sich an das Zerkauen einer äusserst scharfe und harte Vegetation angepasst.

Das Mammut ist der einzige Elefantide, der sich an das eiszeitliche Klima angepasst hat, obwohl sein erster Vetreter, das afrikanische Mammuthus subplanifrons noch in tropischer Umgebung lebte. Je weiter es in den Norden migrierte und je mehr sich das globale Klima abkühlte, desto länger wurde sein Pelz und es wurde zum Wollmammut Mammuthus primigenius. Das Wollmammut hatte mehr als 3 m Risthöhe und wog 4-6 Tonnen. Zwei Fetthöcker, einer auf dem Schädel und einer auf dem Rist, und der steil abfallende Rücken prägten sein markantes Profil. Die Stosszähne waren nach oben und aussen gedreht und konnten bis zu 4.5 m lang und 120 kg schwer werden. Wie den heutigen Elefanten wuchsen auch bei ihm sechs Generationen von Mahlzähnen nacheinander und machten aus ihm eine veritable Pflanzenkaumaschine: Das Mammut verschlang täglich bis zu 300 kg Gräser, Farne, Moose und Äste. Als Herdentier bevorzugte es die weite Prärie oder kalte, karge Steppenlandschaft, die von wenig Bäumen, Sträuchern und Büschen bewachsen war.

 
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