FOSSIL :

Meeresschildkröte Plesiochelys sp.

ANATOMIE :

Rückenpanzer (Rückenansicht)

LOKALITÄT :

Courtedoux-Bois de Sylleux

GEOLOGIE :

152 Mio Jahre, Kimmeridge, Späte Jurazeit

 
  

AKTUELLE FORM  :

Meeresschildkröte

 
Klassifikation und stratigraphische Verteilung

Die Ordnung der Schildkröten (Chelonia) ist heute in 13 Familien unterteilt, die 295 Arten beinhalten. Die Schildkröten, welche mit ihrem Bauplan seit ungefähr 230 Millionen Jahren existieren, gehören zu den ursprünglichsten Formen der heute noch lebenden Reptilien. Die älteste bekannte Form ist Proganochelys. Diese teilt und entwickelt sich im Laufe der Jurazeit in zwei Gruppen:

Die Cryptodira (Halsberger) sind Formen, welche den Hals in den Panzer zurückziehen können, …

… und die Pleurodira (Halswender) sind Formen, welche den Kopf seitlich unter den Panzer bringen.

Letztere sind heute eine kleine Gruppe. Die Mehrheit der heute lebenden Schildkröten gehört zu den Halswendern.

Wie das bei vielen anderen Reptilien der Fall ist, werden auch die Schildkröten während der Kreidezeit am grössten. Die Schildkröte Archelon wurde über 5 Meter lang bei einem geschätzten Gewicht von um die 3 Tonnen.

Morphologie und Lebensweise

Die ältesten Formen hatten noch Zähne. Bei den heute lebende Schildkröten übernimmt allerdings der Hornschnabel die Funktion des Gebisses. Der Körper wird durch den Panzer geschützt, der sich aus dem Rückenpanzer (dorsales Schild, Carapax) und dem Bauchpanzer (ventrale Platte, Plastron) zusammensetzt. Dieser Panzer ist sehr wahrscheinlich der Schlüssel für ihr langes Überleben.

Skelett einer Meeresschildkröte (Bauchansicht)

Die Schilkröten haben ausserordentlich mannigfaltige Formen entwickelt, wie z.B. die Weichschildkröten, die Riesenschildkröten oder die Lederschildkröten, und sich an die verschiedensten Lebensräume – von der Wüste bis in das kalte Meer vor Grönland – angepasst.

Unter den aquatischen Schildkröten leben die Cryptodira oder Halsberger im Meer, im brackischen Wasser oder auch in Seen. Die Pleurodira oder Halswender trifft man ausschliesslich im Süsswasser an.

Alle bisher auf unseren Ausgrabungen in den Virgula-Mergeln entdeckten Schildkröten gehören zu den Cryptodira. Innerhalb dieser Gruppe konnten wir die Schildkröten zwei Familien zuordnen. Die meisten gehören zur Familie der Plesiochelydae und einige wenige zur Familie der Thalassemyidae. Beide Familien beinhalten marine Arten mit einer Anatomie, die speziell auf eine schwimmende Lebensweise angepasst ist (schlanker stromlinienförmiger Panzer, Flossen). Diese Schildkröten konnten schwimmend grosse Distanzen im Meer zurücklegen und hielten sich in den Lagunen des Jurameeres auf, wo sie sich von Schwämmen, Algen, Krabben und Fischen ernährten.

Bei dem hier gezeigten Fossil handelt es sich um den Bauchpanzer einer Plesiochelyden Schildkröte. Anhand der Länge des Bauchpanzers kamm man die Gesamtlänge des Tieres auf etwa 60 cm bestimmen.

Geologische Bedeutung

Die gefundenen Schildkröten haben eine eher lokale Bedeutung. Sie zeigen eine marine Umgebung an, oder eine Umgebung die dem Meer nahe ist. Man kann sie deshalb zur Rekonstitution der paläogeographischen Entwicklung der Fundstellen beiziehen.

  
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